Friday, June 29, 2007

Hamburger Abendblatt

Hamburg Animation Award 2007 Gestern wurden herausragende Nachwuchstrickfilmer ausgezeichnet
"Müssen Trickfilmer heutzutage überhaupt noch zeichnen können?"

Der deutsche Disney-Chefzeichner Andreas Deja, einer der Award-Laudatoren, über die Voraussetzungen für gelungene Animationsfilme.

Hamburg -
Der Sieger beißt sich sozusagen in den Schwanz. Der originelle und witzige Film "My Happy End" von Milen Vitanow (Potsdam), in dem der Kopf eines Hundes das hintere Ende seines Körpers als Alter Ego entdeckt, ist der Sieger der vierten Hamburg Animation Awards. Er gewinnt damit 5000 Euro. Gestern wurden beim Animationsfilmwettbewerb im Rahmen einer Feier im Schmidts Tivoli die Preise vergeben.

Filmemacher der Filmschulen aus Augsburg, Berlin, Braunschweig, Hamburg, Ludwigsburg, Potsdam und den Vereinigten Arabischen Emiraten - dem diesjährigen Gastland - hatten sich mit 41 Filmen am Wettbewerb beteiligt, der mit insgesamt 13 800 Euro Preisgeld dotiert ist. "Es ist schon beachtlich, mit welcher Geschwindigkeit sich der Hamburg Animation Award seit seiner Einführung zu einer glanzvollen Medienveranstaltung entwickelt hat", freute sich Handelskammer-Präses Karl-Joachim Dreyer. Sein Haus gehört zusammen mit dem Bildungswerk Medien und der animation-school-hamburg zu den Ausrichtern.

Der 2. Preis ging an Maike Ramke und Christian Retzlaff (Potsdam) für ihre "Dreckmonster". Den 3. Preis teilen sich Michael Hughes (Hamburg) für "Adore" und Paul Schicketanz, Max Stöhr und Tobias von Burkersroda (Elstal) für "Wanted". Der Länderpreis ging an Mohammed Saeed Harib für die TV-Serie "Freej". Die Laudatoren für die Gewinner waren Disney-Chefzeichner Andreas Deja, der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate Mohammed Ahmed al-Mahmood, FilmFörderungs-Chefin Eva Hubert und Angelika Paetow (NDR).

Besonders Deja war für die Nachwuchs-Trickfilmer natürlich ein gesuchter Gesprächspartner. Der 50 Jahre alte Directing Animator des Disney-Konzerns arbeitet dort seit 27 Jahren. Er hat unter anderem an den Filmen "König der Löwen", "Aladdin", "Hercules" und "Lilo & Stitch" mitgewirkt. Vor zwei Jahren widmete ihm seine ehemalige Heimatstadt Dinslaken aus Anlass seines 25. Disney-Jubiläums extra ein kleines Deja-Festival.

ABENDBLATT: Wird bei Disney überhaupt noch mit Papier und Stiften gearbeitet?



ANDREAS DEJA: Bis vor Kurzem nicht mehr, aber jetzt doch wieder. Wir hatten unsere Zeichentrick-Abteilung zugemacht, die Zeichentische wurden an Schulen verschenkt. Stattdessen wurden Computer installiert. Man hatte beobachtet, dass die computeranimierten Filme der Konkurrenz von Pixar oder Dreamworks mehr einspielten als Zeichentrickfilme. Wir haben uns zwar immer verteidigt und gesagt, das liege an der Story, nicht an der Technik. Trotzdem hat das alte Management sehr drastisch reagiert. Jetzt ist Pixars Management zu uns gekommen. Leute wie John Lasseter und Ed Catmull leiten uns jetzt. Es wird bei uns wieder Zeichentrickfilme geben. Wir sind gerade wieder dabei, eine Zeichner-Mannschaft aufzubauen.

ABENDBLATT: Müssen Trickfilmer heute überhaupt noch zeichnen können?

DEJA: Das schadet auf keinen Fall. Wer zeichnet, kann auch visualisieren und Ideen spontan präsentieren. So jemand bringt auch einen künstlerischen Anspruch mit. Am Computer ist man eher Techniker, und das kann eigentlich jeder lernen.



ABENDBLATT: Was hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten an Ihrer Arbeit geändert?

DEJA: Fast überhaupt nichts. Wir sitzen noch immer an den alten Art-déco-Zeichentischen. Nur der Vorgang der Einfärbung der Figuren hat sich seit den 80er-Jahren, seit "Die kleine Meerjungfrau", vereinfacht.

Der deutsche Disney-Chefzeichner Andreas Deja, einer der Award-Laudatoren, über die Voraussetzungen für gelungene Animationsfilme.

ABENDBLATT: Normalerweise sind Sie bei einem Film für einen Charakter zuständig. Wie groß ist Ihr Gestaltungsspielraum?

DEJA: Es ist wie bei Schauspielern. Wenn ich einen anheuern würde, würde ich sagen: Hier ist dein Script, so und so ist die Emotion in der Szene, jetzt spiel sie mal! Wir unterhalten uns mit dem Regisseur wie beim Realfilm. Aber danach gehen wir in unser Büro und setzen es grafisch um.

ABENDBLATT: Sie müssen also auch selbst Schauspieler sein?

DEJA: Die schauspielerische Qualität ist beim Disney-Trickfilm wichtiger als das Zeichnerische, das einfach so nebenher laufen muss. Ob eine Figur eine Seele hat oder ob sie flach bleibt, liegt am Schauspielerischen. Ich habe zwar noch nie Unterricht gehabt, aber ich beobachte ständig Menschen.

ABENDBLATT: Und Tiere. Für "Der König der Löwen" hatte man ein paar Raubtiere als Anschauungsmaterial ins Studio geholt?

DEJA: Sogar in den Konferenzraum.

ABENDBLATT: Aber wie Löwen aussehen, weiß doch fast jeder.

DEJA: Nicht, wenn der ganz dicht vor dir steht und du ihn bewusst ansiehst. Im Zoo liegen die Tiere oft ganz weit hinten unter den Bäumen und schlafen. Wenn sie sich mal umdrehen, hat man schon Glück. Das reicht aber nicht für Studien. Wir waren in vielen Zoos, haben Naturfilme gesehen. Dann kam Jim Fowler, der "amerikanische Grzimek", zu uns. Er hielt uns Vorträge, dann brachte er ein Löwenjunges mit. Unsere Reaktion war "Oh, wie niedlich!". Als er ein Weibchen holte, war es für uns schon ein ganz anderes Gefühl. Schließlich kam ein sieben Jahre altes männliches Tier. Er war riesig. Wir sind erst mal zurückgewichen, denn außer einer Kette um seinen Hals gab es keine Schutzvorrichtungen. Es war schon aufregend. Man entwickelt einen ganz anderen Respekt vor so einem Tier.

ABENDBLATT: Werden Zeichentrickfilme in Zukunft aussterben?

DEJA: Weiß ich nicht. Es gibt aber so viele Leute, die das noch machen wollen. Und man fragt uns immer wieder, wann der nächste große Film kommt. 2009 wollen wir "The Princess And The Frog" ins Kino bringen. Die Storyboards stehen schon.

ABENDBLATT: Hamburg ist eine deutsche Trickfilmhochburg. Was merkt man davon in den USA?

DEJA: Nichts.

www.hamburg-animation-award.de
Das Abaton zeigt die sieben nominierten Trickfilme am kommenden Montag um 19.30 Uhr in einer Sondervorstellung

erschienen am 29. Juni 2007

3 comments:

Bill said...

I used Google to translate this page and it was pretty amusing. Mostly the part where they refer to 'The Little Mermaid' as 'The Small Sea Virgin.' Thanks for posting this!

Saskia said...

haha, die letzte Abtwort XDD

Victor Ens said...

:o) Die letzte Antwort ist die beste ! Hart aber ehrlich ! Supergeil!!